1.5.2 - 30.5.2 : szenen aus dem empire














i fell in love with a sweet sensation

i gave my heart to a simple chord


i gave my soul to a new religion

whatever happened to you?


whatever happened

to our rock’n'roll?


whatever happened

to my rock’n'roll?




pathos




affekt




gefühl




30.5.2

















Der Abend vor dem ersten Mai. Gegen vier Uhr nachmittags war ich nachhausegekommen. Überreizt und verspannt, müde, von einem langen Tag mit vielen Terminen, sogar das Quietschen der U-Bahnschienen hatte mich mitgenommen. Ich setzte mich noch einmal an den Rechner, ein paar Mails waren zu beantworten, eine Quelle im Netz zu suchen, dann aber legte ich mich endlich ins Bett. Für den Abend war geplant zum Oranienplatz zu gehen, ein Open Air-Konzert, und später sich auf meinem Balkon zu versammeln, um sich Konfrontation auf dem Platz vor meinem Haus anzuschauen. Für den Oranienplatz habe ich abgesagt, heute will ich nicht mehr raus, freue mich aber auf ihren Besuch. Sie werden sich melden. Ich schlafe. Die erste Freundin klingelt gagen neun Uhr oder etwas später. Sie besorgt sich noch etwas zu trinken und mir netterweise was zu essen. Geld ist knapp. In der Zwischenzeit ziehe ich mich an und zeige ihr als erstes meine Wohnung, sie war noch nie bei mir. Einige Zeit später, wir sitzen schon und reden, kommen die beiden anderen Freunde. Anfang Juni erscheint die Platte, die jetzt gerade läuft, einer der beiden Freunde hat mir das Rezensionsexemplar eines Kollegen kopiert. Und meint, als er sie beim Reinkommen schon wieder bei mir hört: »Die gefällt Dir ja wirklich!«


Als wir zusammensitzen berichtet der andere Freund, er lebt als Journlist in London, über Restauranbesuche und das Viertel, in dem er wohnt. Letzten Freitag ist unsere Freundin aus Tokyo zurückgekommen und erzählt deshalb Geschichten von Shopping, Schulmädchensex und Mobiltelefonen. Auf dem Platz noch alles ruhig. Keine Trommeln, keine Feuer, nur gelegentliche Mannschaftswagen der Polizei.


Noch vor Mitternacht muss die Freundin dann los, weiter in einen Club, in dem Freunde von ihr auflegen. In der Tür verabreden wir uns lose für den nächsten Nachmittag, im Park, im Café. Wir übrigen hören schließlich doch noch Lärm vom Platz. Wir stehen auf dem Balkon und sehen einige kleinere Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Grelle Scheinwerfer von Fernsehteams leuchten das ganze ziemlich gut aus. Viel passieren wird hier aber nicht mehr. Ich möchte jetzt doch ganz gerne, ziemlich erschöpft von einem langen, reichen Tag, ins Bett gehen. Die beiden Freunde machen sich auf den Heimweg.


Der Nicht-Londoner wird, wie mir am nächsten Tag erzählt, bei seiner Straßenbahnfahrt zurück in sein Viertel aufgehalten, ein kleiner Park in der Nähe ist Ort mittlerer Kampfhandlungen. Der Londoner dagegen wohnt hier um die Ecke, schon länger als ich, und meint noch beim Treppenruntergehen: »Auf gute Nachbarschaft!« (Szenen aus dem Empire II)




29.5.2

















Ich gehe mein Adressbuch durch und finde niemanden, den ich treffen will.




Wir fahren an die Ostsee. Alle laufen nackt herum. Mein Vater sagt: »Es ist die vollendete sozialistische Demokratie. Wir sind alle gleich!« Warum aber sind die einen dann schön und die anderen hässlich? True democracy needs plastic surgery!




Die NZZ und alle anderen resümieren das Festival von Cannes.




27.5.2

















Oops (oh my)




Wer den Dritten Weg gehen möchte, muss auch den ersten und den zweiten Weg kennen. (Rafael Horzon, Der dritte Weg)




Joint Strike Fighter




Die aus Russland stammende Sängerin legte eine Performance aufs Parkett, die vorwiegend mit dem Ablegen von Kleidungsstücken zu tun hatte.




Mein neues Hobby: Gar nichts machen. Das Schöne daran: man hat nichts vor und muss auch nichts organisieren. Man kann lange schlafen, länger als eigentlich zu ertragen ist; dann steht man durchgelegen und versteift bis in die Halswirbelsäule, faltig und tranig doch noch auf. Und tut den gesamten folgenden Tag einfach ganz und gar nichts mehr. Schön. Nirvana - at last!




Zwei Filets von Nacktschnecken, gemeinsam verzehrt mit zwei extrem unschuldigen Schulmädchen und zwei völlig uninteressanten Geschäftsreisenden.




26.5.2

















Ich würde einfach hier bleiben. Mein altes Leben hinter mir lassen und einfach hier in Seattle neu anfangen. Als ich diese Entscheidung traf war ich so zufrieden wie wohl noch nie in meinem Leben zuvor.




Okay, keine Nutten mehr, es wird alles gut, dachte ich und zog mit meiner Ex-Barfrau und Drogenberaterin zusammen.




Täusche ich mich oder werden einige Weblogs in der letzten Zeit immer erzählerischer?


24.5.2

















The Majestic mit Jim Carey




Die Müllwagen sind ganz schön modern geworden.




Spaß kann auch Widerstand machen


23.5.2

















Kulturell ist Berlin also so etwas wie eine Stadt mit drei Braunkohlezechen und circa 25 Eisenverhüttungsbetrieben, die gerade ihre einzigen drei Labors für Nanotechnologie schließt, um Geld für die Reinemachefrauen zu sparen (D.Diederichsen)




Sonnenbrand & Sachverstand


22.5.2

















Stab your demoniac smile to my brain,

Soak me in cognac, cunt and cocaine.

(A.Cowley)


19.5.2

















Zwischen Baumstämmen blitzt Sonne entlang. Wir gehen, eben die Landstraße überquerend, in ein kleines Wäldchen hinein. Einer der ersten strahlend hellen Tage in diesem Frühling des Jahres 2002. Immer noch hängt eisige Kälte in der Luft. Ein paar Minuten, eine ganze Stunde lang gehen wir, ich und der Freund eines Freundes, über die Felder. Wir gehen, auf einem Sandweg neben dem Haus, durch Gestrüpp und Lichtungen, in Dörfer und neue Vorortsiedlungen hinein. Mühsam steigen wir einen kleinen Hügel, mitten in einem Dorf, hinauf. Aus Müll aufgeschüttet oder doch eine Moräne aus der Eiszeit? Von oben sehen wir auf einen Kinderspielplatz mit einer großen gelben Raupe zum Hindurchkriechen. Wir gehen weiter und da es langsam wärmer wird, ziehen wir unsere Jacken aus. Wir mutmaßen und allzuoft fabulieren wir auch nur, wie diese Straßen, diese Häuser, diese merkwürdigen Grünflächen und Leerstände entstanden sein mögen.


Zwei Stunden nach dem Mittagessen, das unser Frühstück war, sind wir losgegangen. Unser gemeinsamer Freund, in dessen Haus, genauer im Haus seines Vaters, wir die Ostertage verbrachten, reparierte die Orgel seines Vaters, konnte also doch nicht mitgehen. Und jetzt, wir ziehen die Jacken wieder an, als wir in den Waldweg einbiegen, jetzt haben wir einen derart großen Bogen um das Haus herum geschlagen, dass aus dem kurzen Spaziergang eine kleine Wanderung wird. Wir gehen vorbei an Familien, deren Kinder auf neuen Mountainbikes voranpreschen und zurückdüsen, vorbei an Mülltonnenunterständen aus unbehandeltem Holz, vorbei an Kinderspielplätzen aus gleichfalls groben, unbehandelten Baumstämmen ohne Rinde. Auf einer Anhöhe bläst ein Vater mit seinen Kindern auf Trompeten, Posaunen und Hörnern eine Reihe von Jagdliedern, Kirchen- und Kinderliedern, Bigbandliedern. Schließlich gehen wir quer über ein weites Feld, überqueren noch einen Fluss, der hier zum Rinnsaal geworden ist und kommen endlich auf der Landstraße an, in Richtung des Ortes, vor dessen Toren unser Haus steht. Der Freund steht schon auf dem Sandweg, raucht als wir zurückkommen, hat sich zur Heimfahrt in die Stadt ein weisses Oberhemd angezogen. Der Kleinbus parkt schon im Innenhof, fertig zum Einladen. Die Sonne steht tief. (Szenen aus dem Empire I)


18.5.2

















Kissinger My Ass!


17.5.2



















Zum Abschied legte sie mir ihre Hand ganz leicht aufs Knie. Sofort legte ich meine Hand darauf, wir sahen uns an. Dann stieg sie aus.




5.5.2

















Ein frisch eingeschenktes Glas Orangensaft, in dem Flocken vom Fruchtfleisch langsam zu Boden sinken.




1.5.2




















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