Band 1 : Das aleatorische Spiel



Erkundung und Anwendung der
nichtintentionalen Werkgenese im 20. Jahrhundert



Theorie der Werkgenese, Bd.1







alea:



Holger Schulze, Das aleatorische Spiel. Erkundung und Anwendung der nichtintentionalen Werkgenese im 20. Jahrhundert, Wilhelm Fink Verlag München 2000. 406 Seiten, Franz. Broschur, EUR 54,-
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»Der Autor engagiert sich dafür, in der aktuellen Remixkultur nicht nur Ermüdung und Byzantinismus zu sehen, sondern das Neue an ihr differenziert und vor der Folie einer reichen Aleatorik-Tradition wahrzunehmen. So bietet er grundlegende Anstöße für jede weitere Auseinandersetzung nicht nur mit dem Thema, sondern auch mit der heutigen Kulturproduktion« (FAZ)



Wie entsteht ein Kunstwerk? Wie werden Arbeitsprozesse in den Künsten beschrieben und gesteuert? Diese Fragen stehen im Zentrum einer Theorie der Werkgenese, die dieser Band entwickelt.


Der Leser geht auf eine Reise durch die Avantgarde – von Gertrude Stein und den Salons der Jahrhundertwende zu Rainald Goetz und den Loveparades.


In einem räumlich und zeitlich verteilten Großprojekt erkunden Surrealismus, Dada oder Fluxus, Konkrete Kunst, Oulipo oder Beat generation die Möglichkeiten, an den indeterminierten Anfang einer künstlerischen Arbeit zurückzukehren. Auf den Ergebnissen ihrer jeweiligen Vorgänger aufbauend erfinden sie eine Fülle von Ansätzen. Die Regeln des aleatorischen Spiels werden erkennbar – und wie Intention daraus entseht, die Genese zielgerichtet wird.


Ergebnis dieser Forschungen ist zweierlei: ein neuer Zugang zu Werken der Avantgarde; und Grundzüge einer begrifflich strengen und an tatsächlichen Arbeitsprozessen geschulten Heuristik der Kunst.



»Schulzes Heuristik einer aleatorischen Kunst zielt auf ein ‘sowohl klares als auch angemessenes Sprechen’ über manifeste Formen von gestalteter ‘Absichtslosigkeit’ […] Gerade in dieser Hinsicht aber gewinnen seine den Band abschließenden Hinweise auf den heute schon fast vollzogenen Mediumistic Turn und die darin sich anzeigende ‘Kunst der Erfindung von Intentionen’ eine Brisanz, die das weite Feld ‘Aleatorik’ mit dem sich heute grundlegend modifizierenden Selbstverständnis der Gattung Mensch korreliert.« (NZZ)






Inhalt


Die Erkundung der Werkgenese. Rückkehr an den Anfang der Kunst
Die werkgenetische Analyse: Der werkexterne Kontext der Künstlertheorie – Die werkinterne Konsistenz von Kohäsion und Kohärenz

Die Kompositionstheorie der Aleatorik: Europäische Makro- und amerikanische Mikro-Aleatorik – Improvisation und Kombinatorik


Erster Teil: Die klassischen Avantgarden

1 Das minmalistische Repertoire: Gertrude Stein, The Making of Americans (1903-11)

2 Die fluktuierende Selektion: André Breton & Philippe Soupault, Les Champs magnétiques (1919)

3 Das polyphone Spiel: Kurt Schwitters, Aufruf! (ein Epos) (1921)

Panorama: From Isms to Arts. Aleatorische Spiele 1913-1972

Marcel Duchamp, Ready-mades (1913-17) – Hans Arp, Die Wolkenpumpe (1917-63) – Emmett Williams, The Alphabet Symphony (1962) – Konrad Balder Schäuffelen, Die Lotterie Romane (1964/75) – Friederike Mayröcker, je ein umwölkter gipfel (1971/72) – Peter Handke, Deutsche Gedichte (1969)


Zweiter Teil: Die Spätavantgarden

4 Der aleatorische Werkgenerator: John Cage, 45′ for a speaker (1954)

5 Die Evolution einer Intention: Max Bense, Monolog der Terry Jo (1963/68)

6 Die Polyphonie der Intentionen: Raymond Queneau, Cent mille milliards de poèmes (1961)

7 Die heuristische Fiktion einer Intention: William S. Burroughs, The Soft Machine (1961/66/68)

8 Das aleatorische Medienprotokoll: Ferdinand Kriwet, Apollo Amerika (1969)

Galerie: After the Mediumistic turn. Aleatorische Spiele seit 1970

Helmut Heissenbüttel, D’Alemberts Ende (1970) – Brian Eno, Ambient Music (1978) – Heiner Goebbels, Wolokolamsker Chaussee (1989/90) – Peter Greenaway, Prospero’s Books (1991) – Walter Kempowski, Das Echolot (1993) – Rainald Goetz, 1989 (1993)


Dritter Teil: Werkgenese für Anwender

Isms, Arts & Cultures: Geschichte der Aleatorik im 20. Jahrhundert

Die Kunstform der Avantgardegruppe: Eine idealtypische Biographie – Die orthodoxen Avantgarden: Analyse werkgenetischer Kontingenzen

Der Mediumistic turn: Vom Rezept zum Konzept der Werkgenese – Die Lakonische Moderne: Neue Synthesen nach dem Mediumistic turn

Die Heuristik der Kunst: Grundzüge einer Theorie der Werkgenese

Die doppelte Erfindungskunst: Aleatorisches Spiel & heuristische Fiktion

Das aleatorische Spiel: Repertoire – Selektion – Organisation. Minimalistische Spiele – Fluktuierende Spiele – Polyphone Spiele

Die heuristische Fiktion: Erfindung von Intentionen

Genese in 15 Phasen: Die Entstehung eines Kunstwerkes






Weiterführend:


Das Modell der nichtintentionalen Werkgenese. Werkgeneratoren zwischen Cage und Frontpage, in: Peter Gendolla und Thomas Kamphusmann (Hgg.), Die Künste des Zufalls, Suhrkamp Verlag (stw 1432) Frankfurt/M. 1999, S. 94-121


Leichtes Handgepäck. für eine theorie der Werkgenese, in: Positionen – Beiträge zur Neuen Musik 14 (2001), H.49, S.4-9 (wieder als: Hand-Luggage. for a generative theory of artifacts, in: Leonardo Music Journal, H.13 : Groove, Pit and Wave, MIT-Press Cambridge/Massachusetts 2003, S. 61-65)


Im Granularbereich des Klangs. Zur Arbeitsweise von Heiner Goebbels, in: du 60 (2001), H.7/8, S. 129-131


Tektonik der Codes. Text Erzählung nach Ferdinand Kriwet, in: »â€¦diese Gegenstände, so wie sie sind,dem Leser überreichen«. Stoff- und Materialpräsentationen in der Pop-Literatur der 60er und 70er Jahre. Sonderforschungsbereich 626 Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste, Freie Universität Berlin 8. Dezember 2005






Rezensionen:


– Bruno Steiger, Die Wahl des Zufalls. »Das aleatorische Spiel« von Holger Schulze, in: Neue Zürcher Zeitung, Nr.78, Dienstag, 03. April 2001, S.68


– Carola Hilmes, Holger Schulze: Das aleatorische Spiel, in: Bücherjournal, HR2 9. Mai 2001, 20.05 bis 20.30


– Roberto Simanowski (Hg.), Buchtip, in: http://www.dichtung-digital.de/buchtip/


– Matze Schmidt, [Rezension] _Das aleatorische Spiel_ von Holger Schulze, in: n0name newsletter #35, Berlin, Montag, 28. Mai 2001

– Barbara Basting, Und die Zusatzzahl ist – die ’68. Es rappelt in der Kiste: Holger Schulze bringt die Zufallsoperationen schön ordentlich auf die Reihe, in: Franfurter Allgemeine Zeitung, Nr.125, Donnerstag, 31. Mai 2001, S.60

– Monika Schmitz-Emans, Rezension zu Holger Schulze: »Das aleatorische Spiel. Erkundung und Anwendung der nichtintentionalen Werkgenese im 20. Jahrhundert.« München 2000, in: Komparatistik 2001/2002. Jahrbuch der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Synchron Verlag Heidelberg 2002, S.165-168